Was Marketer von einem Tierarzt lernen können. | Simon Kümin

Simon Kümin
Gute Texte für gute Kunden.

Was Marketer von einem Tierarzt lernen können.

Mein Hund findet meinen Tierarzt toll. Ich auch. Die Gründe dafür sind allerdings unterschiedlich. Der Vierbeiner ist vor allem von den Häppchen angetan, ich schätze sein Angebot – und dass es auf schlauem Marketing basiert.

von Simon Kümin

2 Kommentare

Eine Suche nach «Tierarzt Zürich» führt bei Google zu mehr als einer halben Million Ergebnissen. Mehr als die Stadt Einwohner hat. Wenn Sie sich nun als Tierarzt selbstständig machen würden, wie gingen Sie vor?

Seien Sie nicht ein weiterer Anbieter auf dem Markt.

Die meisten würden eine Praxis eröffnen, ein paar Leute anstellen und vielleicht noch Flyer im Quartier verteilen. Nicht so mein Tierarzt. Während seines Angestelltendaseins fiel ihm irgendwann auf, dass viele Katzen und Hunde riesige Angst vor dem Besuch in der Praxis haben. Sie zittern schon unterwegs oder im Wartezimmer.

Die Lösung: Er machte sich als mobiler Tierarzt selbstständig und bietet ausschliesslich Hausbesuche an. Sehr clever.

Tierbilder sollen die Conversion steigern. Deshalb habe ich hier eines eingefügt. Quelle: Unsplash

Differenzieren Sie sich.

Damit hebt sich der HausVet von den allermeisten anderen Anbietern klar ab. Diese Differenzierung hat dafür gesorgt, dass er sich in kurzer Zeit etablieren konnte und gut gebucht ist.

Erstaunlicherweise vernachlässigen ausgerechnet im Marketing viele Selbstständige und Agenturen ihre Positionierung. Es gibt unzählige, die einfach nur Grafikerin, Texter, Strategin oder Entwickler sind. Wie unzählige andere auch (Google spuckt für alle diese Berufe ebenfalls ziemlich viele Sucheresultate raus).

Eine differenzierende Positionierung ist die Grundlage für den gesamten Auftritt und beeinflusst wichtige Geschäftsaspekte wie die Akquise oder das Pricing massgeblich. Deshalb widme ich dem Thema in meinem Buch «Nie wieder angestellt» ein eigenes Kapitel.

Die Vorteile einer guten Positionierung.

Wer auffallen will, muss anders auftreten als die Masse. Mit einem klaren Fokus (sei's bei den Arbeiten, die man ausführt, bei den Branchen, für die man arbeitet oder der Art, wie man an Briefings geht), haben Sie drei Vorteile:

  1. Weniger Konkurrenz. Eine Grafikerin, die sich auf Corporate Design für Luxusgüter spezialisiert, bewegt sich in einem weniger umkämpften Markt als eine, die alles macht.
  2. Mehr Wertschätzung. Wer sich fokussiert, erhält eher Aufträge wegen seiner Expertise – und nicht, weil er den Job billig erledigen kann.
  3. Mehr Preissetzungsmacht. Wer engagiert wird aufgrund spezifischer Fähigkeiten, wird sich weniger oft mit Pitches und Offertenvergleichen auseinanderschlagen müssen.

Was schreckt viele davon ab, sich zu positionieren?

Es verstösst gegen unsere Intuition, sich beim Angebot einzuschränken. Gerade, wenn man sich frisch auf den Markt wagt, ist man froh um jeden Auftrag. Aus meiner Erfahrung kann ich nur sagen, dass es langfristig besser ist, weniger potenzielle Kunden anzusprechen (und hin und wieder einige abzuschrecken), dafür auf diese einen umso nachhaltigeren Eindruck zu hinterlassen.

PS: Wie mein Tierarzt gehe auch ich gerne auf Kundenbesuch. Zum Beispiel, um Briefings entgegenzunehmen. Mit Futter bestechlich bin ich ebenfalls.

PPS: Weitere Gedanken dazu, warum es so wichtig ist, sich zu positionieren, und wie Sie dabei vorgehen, finden Sie in meinem Buch «Nie wieder angestellt»:

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Kommentare

@ Simon: Interessante Inputs und tolles Bild ;-) .
@ alle Anderen: Wer das Buch von Simon noch nicht gelesen hat, sollte dies unbedingt tun. Ich kann's wärmstens empfehlen.

Claude
02.05.2022 10:00 Uhr

Du bist eine grosse Inspiration für mich. Und ja, vom nächsten bei mir eingegangenen Honorar kaufe ich mir auch dein Buch – eventuell macht es dann mich doch etwas erfolgreicher. Eine Texterin ohne Texte ist nämlich schon sehr doof. Ich bin gespannt. Vielen Dank für deine anregenden und guten Texte!

Barbara
05.05.2022 10:55 Uhr

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